Mehr oder weniger autistisch? Warum das Autismus-Spektrum-Rad das alte Denken sprengt
- lkuster6
- 4. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit
"Du bist doch nur ein bisschen ein autistisch!"
Diesen Satz hören viele Betroffene. Gut gemeint, aber grundfalsch. Denn Autismus funktioniert nicht auf einer Skala von wenig bis stark. Du kannst nicht nur ein bisschen autistisch sein. Du bist es, oder eben nicht. Und genau hier beginnt das Problem des alten, linearen Autismus-Modells.
Das lineare Modell - überholt und lebensfremd
Das klassische Modell des Autismus-Spektrums wird oft als Linie dargestellt. Links "leicht autistisch", oft als Asperger-Autismus bezeichnet, rechts "schwer autistisch" oft als Frühkindlicher Autismus bezeichnet. Diese Darstellung suggiert: Je weiter rechts, umso schwerer betroffen.
leicht autistisch schwer autistisch

Doch die Realität sieht völlig anders aus. Eine Person mit Asperger kann enorme Schwierigkeiten im Alltag haben, z.B. in der Reizverarbeitung, in sozialen Situationen oder bei Veränderungen. Gleichzeitig kann eine Person mit Frühkindlichem Autismus in bestimmten Bereichen recht stark sein. Unterstützung ist also nicht automatisch mehr oder weniger nötig, sondern anders.
Das lineare Modell reduziert Menschen auf eine eindimensionale Skala. Und genau das wird der Vielfalt des Autismus-Spektrums in keiner Weise gerecht.
Das neue Denken: das Autismus-Spektrum-Rad
Stell dir stattdessen ein Rad mit verschiedenen Bereichen vor. Jeder Bereich steht für eine Fähigkeit oder einen Lebensaspekt. Wie z.B. unten im Bild dargestellt.

In jedem dieser Bereiche gibt es unterschiedlich viele Ressourcen und Herausforderungen. Manche Felder sind stark ausgeprägt, andere brauchen Unterstützung. Und genau daraus entsteht ein sehr individuelles Profil. Kein besser oder schlechter, sondern einfach einzigartig.
Das Autismus-Spektrum-Rad macht Stärken sichtbar, Unterstützungsbedarf konkret, Förderung zielgerichteter und Ressourcen bewusst.
Nicht Defizite stehen im Mittelpunkt, sondern Entwicklungsmöglichkeiten.
Warum dieses Modell so viel verändert
Viele Autisten wachsen mit dem Gefühl auf "falsch" zu sein. Das lineare Modell verstärkt genau dieses Denken. Das Rad-Modell hingegen sagt: Du hast Herausforderungen und du hast Stärken. Beides darf gleichzeitig existieren. Und genau dort beginnt echte Selbstannahme.
Dein persönliches Autismus-Spektrum-Rad
Ich habe speziell dafür einen Fragebogen entwickelt, mit dem deine individuellen Ausprägungen sichtbar werden. Aus deinen Antworten entsteht ein visuelles Spektrum-Rad, das dir genau aufzeigt
Wo deine grössten Stärken liegen.
In welchen Bereichen du Unterstützung brauchst.
Welche Fähigkeiten du gezielt aufbauen kannst.
Und wo du auf deine Ressourcen zurückgreifen kannst.
Möchtest du dein Rad erstellen?
Wenn du mehr über dich, deine Stärken und deine ganz persönliche Art, autistisch zu sein, erfahren möchtest, dann lade ich dich herzlich zu einer Coaching-Stunde ein. Gemeinsam erstellen wir dein individuelles Autismus-Spektrum-Rad: Als Grundlage für mehr Klarheit, Selbstvertrauen und passende Unterstützung.
Du musst nicht weniger autistisch sein. Du darfst du selbst sein, mit allem was dich ausmacht.




Kommentare